Montag, 18. April 2011

Eine indische Geburt :)

Hallo meine Lieben!

Endlich komme ich mal wieder dazu mich zu melden! Irgendwie rast die Zeit doch. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, sie würde stehen!


Um es gleich vorne weg zu nehmen. In diesem Eintrag gehe ich in bisschen tiefer in die Beschreibung einer Geburt. Ich habe es für meine deutsche Kolleginnen etwas detailierter aufgeschrieben, da diese bestimmt sehr daran interessiert sind, genauer zu erfahren, wie eine Geburt in Indien abläuft, oder?? Zumindestens ich wäre es :) 
Wen dies nicht interessiert, sollte einige Abschnitte überlesen. Diese Textabschnitte sind farbig gekennzeichnet.

 

Bei mir ist in letzter Zeit viel passiert, bzw. ich habe viele neue Eindrücke gesammelt. Ich versuche mal ein wenig von ihnen in Worte und auf Papier zu bekommen.

Ich glaube, ich habe noch nie so wirklich über meine Arbeit berichtet.

Eigentlich hat mich der Sangam nach Indien geholt, damit ich in Bamhani, einen kleinem Dorf in der Nähe von Nagpur, und den umliegenden Dörfern Gesundheitsvorsorge mache. 

Von Montag bis Freitag fahre ich, zusammen mit 2 Nurses, Archana und Harscha, und 4 TBA´s (Trained birth assistend), um 12 Uhr in die Dörfer.

Die 4 TBA`s, Savita, Kavita, Vaishali und Megha


Dort ist es eigentlich geplant, dass wir in die einzelnen Häuser gehen, mit den Leuten in Kontakt kommen und schauen, ob es gesundheitliche Probleme gibt. Wir SOLLTEN beobachten wie die Familienstruktur ist, wie die Kinder ernährt sind und wie die hygienischen Umstände sind.
Eigentlich eine sehr interessante Arbeit, auf die ich wirklich Lust hätte!

Doch LEIDER LEIDER geschieht oft folgendes:
Um 12 Uhr fahren wir in ein Dorf, insgesamt gibt es 18. Es fährt immer eine Nurse und 2 TBAs  in ein Dorf.
In dem Dorf wird nach, mir unbekannten Prinzip, ein Haus ausgesucht in das wir uns setzten und erst mal "Nichts" machen. Nach ca. 1 Stunde stehe die TBAs auf und machen mir deutlich, dass ich ihnen folgen soll. Archana bleibt im Haus sitzen.

Wir 3 Mädels laufen dann von Haus zu Haus und schreiben auf, wer in dem Haus lebt und wie alt die dort lebenden Personen sind. Ich glaub es wird auch noch gefragt, ob es irgendwelche Krankheiten gibt. Das erfragen wir bei ca. 5 Familien. Diese „Arbeit“ dauert geschätzte 10-15 Minuten. Danach geht es wieder in das erste Haus zurück und dann wird gewartet. Um 4 werden wir von einem Jeep abgeholt und wieder zurück nach Bamhani gebracht. Diese Arbeit ist unglaublich langweilig!! In dem Zimmer ist es meistens warm und stickig. Die perfekte Temperatur um einfach nur müde zu werden. So sitze ich da, langweile mich, kämpfe mit meinen zufallenden Augen und frage mich mal wieder nach dem Sinn. Da ich als „Weiße“ nun aber nicht ankommen kann und sage, wie wir nun mal „richtig“ Arbeiten, musste ich mir etwas anderes überlegen.

Klar stellt sich da die Frage: „Was ist richtiges Arbeiten?“ Nur weil ich eine Vorstellung von Arbeiten habe, heißt es ja nicht das es richtig ist. Aber ich würde doch gerne mehr mache und erfahren, als nur herum zu sitzen.
Diese Village visits ermöglichen mir aber  trotzdem in viele unterschiedliche Dörfer und Häuser und damit Familien Einblick  zu erhalten. Was definitiv sehr viel Wert ist.
Es ist schon interessant zu sehen, wie viele Personen auf oft kleinstem Raum leben. Meistens sind es mindestens 3 Generationen in nur 2 Zimmern. Oft steht nur ein Bett in einem Zimmer.
Auch das ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Erstmal ein stummer Beobachter sein und das Leben hier in Indien in den Dörfer wahrnehmen.
Doch wünsche ich mir schon ein bisschen aktivere Arbeit zu leisten, bzw. noch mehr Eindrücke zu bekommen.

Da ich, als Hebamme, natürlich unbedingt wissen wollte, wie es in einem indischen Krankenhaus aussieht und abläuft, stand der Plan fest. Ich will in ein Krankenhaus!!

In dieser Hinsicht sind die Inder zum Glück total unkompliziert. Ein kurzes Gespräch mit Mr. Khisty (dem Chef),  ein Anruf im Krankenhaus und ein paar Tage später stand die Sache fest.

Am Montag, den 04.04., hatte ich meinen ersten Tag im Memorial Hospital in Nagpur. Ein Glück liegt es nur 10 Gehminuten von dem Gästehaus entfernt.
Ich von einer Schwester durch das Haus geführt. Ein kleines Haus mit, leider, wenig Patienten. Aber besser dies als gar keins.

Mein erster Eindruck: Es gibt doch echt viele Parallelen zu Deutschland!

Um in den Kreissaal und die Intensivstation zu kommen, zieht man die eigenen Schuhe aus und zieht blaue Krankenhausflipflops an. Wie hygienisch die Umsetzung ist, ist ein bisschen fragwürdig. Wie so einige Sachen, aber wenigstens hat man ein Verständnis dafür.



(Manchmal fühle ich mich ein bisschen in die Zeit zurück versetzt. Bei uns sahen die Krankenhäuser auch mal so aus. Ich muss jetzt nur aufpassen, dass ich nicht Anfange über die Umstände, Menschen, etc. zu urteilen.)

Mein zweiter Tag fing um 9.00 Uhr an. Was eine humane Zeit :)

Die eigentlichen Schichtzeiten sind von 8.00-16.00 Uhr, die zweite Schicht von 12.00-20.00 und die Nachtschicht von 20.00 bis 8.00. Da lobe ich mir doch das deutsche Schichtsystem!

Zuerst wurde ich, von einer super lieben Schülerin, nochmals durch das Krankenhaus geführt. Dort bot sich mir dann die Möglichkeit, durch den Raum des Krankengymnasten zu gehen. Echt interessant, doch moechte ich darauf jetzt nicht detailiert eingehen.

Und dann endlich in den Kreißsaal!!



Im Vergleich dazu ein deutscher Kreißsaal

Die Schwestern haben mich alle super aufgenommen!!




 Da im Kreißsaal keine Patienten waren, bin mit den Ärzten in die Sprechstunde. 
Dort wird nicht, wie bei uns in Deutschland, Termine vergeben, sondern wer da ist, ist da. Die Vorsorge der Schwangeren läuft so ab, wie sie im Hebammenbuch gelehrt wird. Nur mit den Händen, ganz ohne elektrische Geräte! Und es funktioniert! Kaum zu glauben und in Deutschland mittlerweile unvorstellbar. Einen Mutterpass gibt es in abgespeckter Form. Er besteht aus einem, in der Mitte gefalteten, DIN A4 Blatt. Dort steht der Name, Alter, Blutgruppe, ein paar Blutuntersuchungen und die Besuche beim Arzt mit Anordnungen von Medikamenten.

Hier in Indien wird leider bei jeder Gelegenheit ein Medikament verschrieben. Wenn kein Medikament verschieben wird, ist der Arzt schlecht, oder man ist nicht wirklich krank…

Leider habe ich den Zugang zu den Ärzten nicht wirklich gefunden. Es hat mir niemand erzählt, auch bei Nachfragen, wenn es irgendetwas interessantes oder spannendes zu sehen gab. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass ich dabei gewesen sein zu müssen. Leider ein Problem, welches häufiger  vorkommt in Indien. Aber vielleicht mache ich mir auch wieder nur viel zu viel Gedanken .. Wer weiß!

Aber zurück:
Wie es mein Glück wollte, kam Rupalee, eine 20j, I. gr, 0 p. in der 39+0 SSW mit Wehen alle 5 Minuten. Die MM-Weite war wohl 3-4 cm.

Rupalee mit Schwester Manischa

Ich bin mit Rupalee zurück in den Kreißsaal und war sehr gespannt was nun passiert.
Ich traute meinen Augen nicht!
Rupalee bekam eine Rasur (komplett), ein Hemd, eine Braunüle und einen hohen Einlauf. Willkommen daheim!
Danach wurde sie ins Bett gelegt. Die Wehen waren noch alle 5 Minuten und sie war super entspannt.  
Auf mein Nachfragen, ob die Frauen auch herumlaufen oder andere Positionen einnehmen, schauten sie mich etwas irritiert an. Also Nein..

Da wohl erst mal nichts passierte und die Geburt auf jeden Fall in die Nacht hinein gehen würde, machte ich mich zum Abendessen nach Hause. Das war gegen 16.00.

Dort musste ich erst abklären, ob ich die Nacht über im KKH bleiben durfte. Nach Hause durfte ich auf keinen Fall, da es für eine Frau, und dazu noch eine Weiße, viel zu gefährlich ist, alleine nachts durch die Straßen zu laufen.

Gegen 20.30 Uhr bin ich zurück ins Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin habe ich mich schon selber ein bisschen für verrückt erklärt. Aber was man nicht alles macht ;)

Ein Blick auf Rupalee sagt mir alles. Sie war Mitten unter der Geburt. Ich musste leider feststellen, dass eine Oxytocintropf lief. Ohne Infusomat. Die Tropfenanzahl wurden mit einem Blick auf die Uhr abgezählt.
(Der Oxytocintropf wird meistens eingesetzt um die Geburt zu beschleunigen.)

In dem Krankenhaus gibt es kein CTG. Die Herztöne werden mit einem Dopton gehört und die Wehenpause und –länge wurden mit einem Blick auf die Uhr gefühlt!
Für mich ist es schön zu sehen, dass auch so gesunde Kinder auf die Welt kommen. Die Inder wären aber froh, wenn sie ein CTG zur Verfügung hätten.

In dem Kreißsaal waren viele Schüler damit beschäftigt den Blutdruck und Puls zu messen, die Wehen zu tasten, etc., aber niemand redete wirklich mit der Frau. Mit ihr passierte ganz viel, ohne dass sie es verstand! Manchmal wusste ich in Deutschland schon nicht, wie ich damit umgehen sollte, außer es selber anders zu  machen.
Für mich ist es manchmal so, dass die Frauen so ein wenig zur Unmüdigkeit gebracht werden. Sie können sich gegen nicht währen, wenn sie es nicht möchten. Klar ist es nicht in jeder Situation möglich, v.a. in Notsituationen, aber wenn es Mutter und Kind gut geht, sollte man, in meinen Augen, den Frauen immer einen Weg der Entscheidung ermöglichen.

Es ist in Indien auch nicht so, dass eine vertraute Person bei der Geburt dabei ist, die ihr eventuell ein bisschen Zuversicht, Hoffnung und Ruhe zukommen lassen könnte. Vor dem Kreißsaal sitzen fast alle Frauen der Familie und versorgen die Gebärende mit Essen, Trinken und Kleidern. Ihnen die Hand zu halten und für sie da zu sein, ist in Indien nicht üblich. Die Frau muss da halt einfach durch!

Also war für mich die "Aufgabe" klar! Einfach für die Frau dazu sein, ihre Hand zu halten, ihr gut zuzureden und sagen das alles gut ist und mit ihr die Wehen zu veratmen! Es ist total schön zu sehen, dass man mit ein paar wenigen Worten, Gesten und Berührungen es schaffen kann, die Gebärende ein Stück weit in „ihre Mitte“ zurück zu bringen. Sie wurde ruhiger und atmete langsamer.

Gegen 21.15 war es dann mal wieder Zeit für  eine VU (Vaginale Untersuchung). Dazu wurden gepuderte, aufgerollte und „sterile“ Handschuhe aus einem Metallkästchen genommen und mit den Händen auseinander gerollt. Was daran  dann noch steril ist, weiß ich leider nicht. Die Scheide wurde mit einem kleinen Watteknäul, getränkt mit braunem Octenisept, desinfiziert.

Die MM-Weite war wohl 6cm, die Schwester (gerade fertig ausgebildet) war sich aber nicht sicher.
Auf jeden Fall kam dann Manicha, auch eine Schwester, um die Frau noch einmal zu untersuchen. Sie meinte sie wäre jetzt bei  8 cm. 
Ich durfte auch. Juhuu. 
Ich habe die Frau während einer Wehe untersucht und hatte eher das Gefühl, dass es folgender  Befund war:
MM 5cm, zentriert, straff in der Wehe, außerhalb der Wehe 7cm, weich
Vt (K) OSRE, schwer abschiebbar, PN 1 Schräger
Keine Fruchtblase zu tasten

Die Schwestern haben übrigens nur nach der MM-Weite getaste, wie und wo der Kopf stand, war für sie uninteressant.

5 Minuten später war auf einmal absolute die Hektik, die Frau müsse jetzt ganz schnell auf den „Geburtstisch“. 

Der "Geburtstisch"...

Die Instrumente dazu. Aber keine Angst! Es sieht oft schlimmer aus als es ist!

Obwohl niemand mehr die Frau untersucht hatte. Da haben die indischen Schwestern wohl noch andere Methoden um festzustellen, dass der MM vollständig ist, die ich in der kurzen Zeit nicht mitbekommen habe.
Ich dachte nur: „Die Arme, dass kann doch jetzt noch dauern…“
Doch da habe ich mich wohl geirrt…

Auf dem Geburtstisch blieb es hektisch. Die Frau lag auf dem „Tisch“ und wusste nicht was mit ihr passierte und hatte wahnsinnige Angst vor dem was nun passieren würde. Ich versuchte, so gut es ging, ihr einfach nur deutlich zu machen, dass alles Gut ist.

Die Ärztin wurde zur Geburt gerufen.

Eine Schülerin fing dann an den Damm zu dehnen. Sie ist mit beide Händen, rechts und links, in die Scheide ein und hat die Haut nach vorne, also zu sich hin, gezogen. Das tat schon beim zusehen weh. In Deutschland dehnt man den Damm auch ein wenig, ist jedoch vorsichtiger und sanfter. Diese Vorgehensweise ist jedoch sehr umstritten unter den Hebammen. 

Da die Ärztin nicht kam, überlegten sich die Schwestern und Schülerinnen schon mal eine Episiotomie zu schneiden.. Warum? Keine Ahnung! Zum Glück taten sie es nicht, denn der Kopf war noch nicht mal eingeschnitten.

Irgendwann kam dann die Ärztin. (Ich hab leider etwas das Zeitgefühl verloren.) Sie hat sich eine Plastikschürze umgebunden und Gummistiefel angezogen. Ich und noch 2 Schwester bekamen auch Plastikschürzen um, hatten aber Flipflops an. Hatte schon ein bisschen Angst Fruchtwasser oder Blut auf die Füße zu bekommen. Ich blieb zum Glück verschont :)

Rupalee hatte ordentliche Wehen und fing an reflektorisch mitzudrücken. Die Geburt war nun soweit vorangeschritten, dass der Kopf eingeschnitt. Somit war es „Zeit“ eine Epi zu schneiden. Ich glaube eine „Hohmann-Epi“ ist nichts dagegen. V.a. wenn man bedenkt, dass die indischen Kinder kleiner sind als die Deutschen. Sie wiegen im Durchschnitt 2500-3000g.

In diesem Krankenhaus wird bei jeder Erstgebärenden prophylaktisch eine Epi geschnitzte. Bei Mehrgebärenden ist dies nicht mehr notwendig, da genug Platz da ist. Nach der Meinung der Inder.

In Deutschland wird in jeder einzelnen Situation entschieden, ob eine Epi notwenig ist, oder nicht.

Nun wurde die Frau dazu angeleitet sich unter die Knie zu fassen, die Beine an den Körper zu ziehen und zu pressen. Leider war es ein „Durchpressen„ . Auf die Wehen und die Wehenpausen wurde keine Rücksicht genommen.

Es ist so, dass das Kind durch die Kraft der Wehen nach „draußen“ gedrückt wird. Durch das Mitschieben hilft die Frauen dem Kind auf dem Weg. Wenn sie nun mitpresst, ohne Wehe, muss sie die ganze Kraft aufbringen und powert sich somit sehr schnell aus.

Nach deutschem Massstab wurde kein Dammschutz gemacht. Die Ärztin stand zwischen den Beinen der Frau und versuchte den Kopf herauszuhebeln. Zum Glück sind die Kinder klein und die Epi groß!

Das kleine indische Mädchen hat am 05.05.2011 um 10.31p.m. das Licht der Welt erblickt :)


Es wurde direkt abgenabelt und in einer Metalschale zum Kinderarzt gebracht. 

Die Mutter hatte keine Chance auch nur einen kurzen Blick auf ihr Kind werfen. :(

Das Kind war rosig, vital, fit und schrie. Also auf den ersten Blick ein fittes Neugeborenes.

Der Kinderarzt hat das Kind abgetrocknet, abgesaugt, sofort Vit. K i.m. gespritzt. Eine U1,die Erstuntersuchung, wie bei uns, konnte ich nur im Ansatz erkennen.
In meinen Augen ein ziemlich Stress fuer einen Menschen, der gerade auf die Welt gekommen ist.

Ist Sie nicht süß???

Die Metallschale und die Kindereinheit

Vom Kinderarzt ging das Kind direkt in das "Säuglingszimmer", wurde dort gewogen, gewaschen und angezogen.



Die Kleine wog 2910g.



Danach wurde sie ins Wärmebett gelegt. Die Mutter hatte bis dahin, die Kleine immer noch nicht gesehen und es war schon ca. 30 min seit der Geburt vergangen..




Die Kinderkrankenschwester


Aber es gibt ja noch "uns", dass sie der kleine neue Erdenbürger nicht ganz so alleine fühlen muss.


Rupali lag in der Zeit noch auf dem „Tisch“ und es wurde gewartet, bis die Placenta kam. Das hat ca. 10 Minuten gedauert und sie war vollständig. Also alles ohne Komplikationen.

Die Ärztin und die Schwester massierten dann den Muttermund, damit der sich schneller wieder zurückbildet und „verschließt“. Ich selber habe davon noch nie gehört, aber so wie sich Rupali gab, muss es ziemlich schmerzhaft sein..

Der letzte „Arbeitschritt“ der Ärztin war die Epi zu nähen. Sowohl die Muskulatur, als auch die Haut wurde mit demselben, einem ziemlichen dicken, Faden genäht. Zu Beginn wurde die Stelle etwas örtlich betäubt. Leider hielt sie nicht bis zum Ende, der Hautnaht an. Die ganze Prozedur sah wieder ziemlich schmerzhaft aus! Hier müssen die Frauen eindeutig mehr ertragen als in Deutschland.

Rupalee war Mutter und konnte die ganze Situation noch gar nicht fassen und verstehen. Leider hatte sie bis dahin ihr Tochter immer noch nicht gesehen. Sie war erschöpft und  war froh, dass nun endlich erstmal alles vorüber war. Sie genoss die „Ruhe“ und wollte noch etwas liegen bleiben.
 
Nach noch mal 15-20 min. fühlte sich Rupalee so fit, dass sie sich traute in ihr weiches Bett zu laufen. Und dann ENDLICH bekam sie ihre kleine Tochter in den Arm.

2 Tage nach der Geburt :)

Dadurch das die Zeit zwischen Geburt und das erste  Sehen von Mutter und Tochter so lange gedauert hat, war der ganze Zauber einer Geburt ein wenig verflogen. Mir kam das erste Kennenlernen sehr kalt vor. So als ob es normal wäre, sein Kind  das erste Mal in den Arm gelegt zu bekommen…

Hier stoße ich ganz extrem auf die unterschiedlichen kulturellen Ansichten und es fällt mir teilweise echt schwer nur ein stummer Beobachter zu sein.

Das erste Anlegen hat sofort und ohne Probleme geklappt.
Für mich war es total schön Mutter und Kind endlich vereint zu sehen!!

Gegen 1.30 bin ich dann ins Bett. Ich durfte im „Privatroom“ schlafen.

"Mein" Bett

Das Bad

So wirklich wohl, habe ich mich da nicht wirklich gefühlt. Die hygienischen Umstände entsprechen einfach nicht den Europäischen. Daran muss ich mich definitiv noch gewöhnen. Die Matratze war voller Blut und auch die Toilette sah nicht gerade einladend aus. Aber ich hatte ein Bett zum schlafen J
Mir wurden dann auch noch Lacken, Bettbezug und ein Kopfkissen gebracht. Was ein Luxus
J
Wirklich wohl hatte ich mich aber trotzdem nicht gefühlt.  Um ehrlich zu sein, hatte ich schon ein wenig Angst! Dem entsprechen habe ich auch geschlafen.

Um 6.30 Uhr bin ich aufgestanden und hab mich auf den Heimweg gemacht. Um diese Uhrzeit ist Indien ein Traum. V.a. um diese Jahreszeit. Es ist kühl und der Sonnenaufgang ist fabelhaft.
Daheim dann endlich eine Dusche! Was habe ich mich gefreut! Und eine leckeres indisches Frühstück. Es gab Upma J
Ja, das war meine erste indische Spontangeburt J
Mutter und Kind waren dann noch 2 Tage im Krankenhaus. Ihnen ging es prächtig und das stillen hat gut geklappt.

Mama, Oma und Ich


Einen Namen hatte das kleine Mädchen immer noch nicht. Es lief immer unter den Namen von der Mutter. Die Kleine bekommt ihren Namen erst nach 2-3 Monate den ein Priester aussucht.
Die Namensgebung ist von Familie zu Familie unterschiedlich und hängt auch davon ab zu welcher Religion sie sich bekennen. Diese Familie sind Hinduisten.

Mir fällt es sehr schwer meine ganzen Eindrücke und Erlebnisse in Worte zu fassen und aufzuschreiben. Dazu kommt, dass ich versuche eine Balance zwischen Fachbegriffen und Beschreibungen für einen Laien zu finden.
Ich könnte noch viel viel mehr erzählen und aufschreiben, doch ich weiß nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Indien ist einfach nicht beschreibbar!!  Ich hoffe trotzdem, dass ihr einen kleinen Einblick mein indisches Leben bekommt.
Für mich kann ich nur sagen, dass ich diese Erlebnis nicht missen möchte! Ich bin jedoch, mal wieder, froh in Europa geboren zu sein und meine Kinder in einer heimischen, ruhigen und persönlichen gebären zu dürfen.


Zum Schluss noch ein paar Einblicke in das Krankenhaus.

Der Sterischrank


Ein Rollstuhl. Ich liebe sie!! ;)

Krankenhauswäsche beim trocknen

Die Wochenstation




2 Kommentare:

  1. Danke für den Bericht. Auch wenn er für uns Europäer eher erschreckend ist, ist es aufschlussreich, wie Geburten in anderen Teilen der Erde von statten gehen...

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  2. Ja, danke für die ausführliche Beschreibung.so haben wir einen kleinen Eindruck von deinen Erlebnissen. Alles alles Liebe aus Deutschland, Deine Mami

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