Montag, 4. April 2011

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Freitag, der 01.04.2011
Geplant war für diesen Tag:
-          6.30 Uhr aufstehen
-          7.30 Uhr Abfahrt nach Naranpur, um dort, zusammen mit Archana, Kavita und Savita, Dr. Mukerjee ins Krankenhaus zu begleiten
Aufenhalt: Ungewiss
-          Ca. 12 Uhr Abfahrt von Bamhani zu den „village visits“
-          Ankunft in Bamhani ca 16.00, danach Lunch
-          Ab 16.30 Freizeit

 
Geschehen ist:
-          Pünktlich 6.30 aufgestanden (so früh wie fast noch nie in Indien, wofür uns die Inder alle auslachen. Die stehen alle um 6.00 auf)
-          7.15 (gerade beim Frühstücken) kam die Info von Kavita und Savita à Heute kein Krankenhausbesuch mit Dr. Mukerjee. Warum? à Indien!
-          Was also nun mit meiner Zeit? Wieder ins Bett?? Zeit wäre ja noch und wirklich fit war ich auch noch nicht.. „Aber wenn ich jetzt schonmal so früh wach bin und die Luft noch einigermaßen kühl ist, sollte ich das ausnutzen“, dachte ich mir. Also bin ich zu dem wunderschönen, riesengroßen und alten Mangobaum gegangen, der bei uns auf dem Gelände steht. Einfach mal ein bisschen versuchen die Gedanken auszuschalten tat echt gut! Danach war ich auch nicht mehr müde J
-          Zurück auf der Terrasse ein bisschen PC-Arbeit erledigt.
-          Gegen 10Uhr kam Sophie und meinte, sie sei jetzt zu einer Feier eingeladen und sollte sich schicker anziehen. Der Lehrer der Computerklasse hätte sogar einen Anzug an. Was gefeiert werden sollte wusste sie auch nicht ganz genau ;) à Da hab ich mich doch gleich mal dran gehängt! Feiern ist immer gut! J
-          Gegen halb 11 sollte die Abschiedsfeier für die Computerklasse losgehen. Das war also die Feier, wie wir dann doch irgendwie herausgefunden haben J
-          Ich hatte mich auch schön brav abgemeldet, dass ich heute nicht mit zu den „village visits“ gehen würde.
-          Wann die Feiern dann genau los ging weiß ich nicht mehr genau. Schätzungsweise gegen 11.30 – 12.00. Solange saßen wir vor dem Raum und haben gewartet. Zwischendurch hatten wir etwas Angst, dass wir die Feier verpassen, obwohl wir direkt daneben sitzen.
-          Dann endlich die Feier, d.h. eher die Verabschiedungsreden. Verstanden habe ich mal wieder nichts, da alles auf Hindi und Marathi war. Für mich wirkte alles nur total gehetzt und für deutsche Verhältnisse ungeplant ;)
-          Danach gab es ein „Naschta“, ein kleines Frühstück und danach Lunch für Sophie und mich.
-          War die Feier nun zu Ende und musste ich jetzt noch arbeiten? Fahren wir jetzt noch in ein Dorf?? Während der Feier hieß es immer, dass wir „bad me“, „bad me“, später, fahren würden.
-          Kavita erzählte mir dann, dass das „village visit“ ganz abgebrochen wurde. Auch gut!
-          Ich war tot müde und war froh, dass ich jetzt Zeit hatte um mich kurz hinzulegen. (Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie mich die Hitze jetzt schon schlaucht..)
Nach ca. einer halben Stunden Schlaf, stand dann auf einmal ein Junge aus der Computerclass in unserer Wohnung und meinte, dass wir jetzt unbedingt mitkommen sollten. Ein Glück bin ich vorher schon aufgewacht, aber wirklich wach war ich nicht. Sophie und ich dachten, dass wir kommen sollten um die Fotos, die wir am Vormittag gemacht hatten, auf den PC zu laden.
Warum denke ich eigentlich noch?? Es kommt eh alles anders ;)
-          In der Computerklasse erwartete uns eine tanzende und feiernde Menschengruppe, hauptsächlich aus Jungs, die nun unbedingt mit uns tanzen und feiern wollten. Wir waren beide völlig überrascht jetzt tanzen zu sollen. Die Deutschen halt, die sich auf alles einstellen müssen ;) Etwas gehemmt haben wir uns dann dazu bewegen lassen. Die Jungs waren total begeistert. Sophie hatte auch gleich einen Verehrer ;) Für die indische Männerwelt ist es nochmal was ganz anderes als für die deutsche. Wie viel Kontakt haben die denn schon zu Mädels in ihrem Alter, die sie dann auch noch berühren und mit ihnen tanzen dürfen?! Dazu kommt dann auch noch das Sophie und ich weiß sind. Diese Fotos werden sie wahrscheinlich ihr Leben lang allen Personen zeigen, die ihnen begegnen ;)
-          Nach ca. 45 min war dann das Tanzen auch wieder vorbei J Ich war schon etwas erleichtert, da es in dem Raum einfach unglaublich war und stickig war.
-          Ab dann hatten wir den restlichen Tag Freizeit, die wir auf der Terrasse verbracht haben.
-          Endlich Ruhe! Von wegen!
-          Gegen ca. 17 Uhr kamen die Jungs von der Technical Class zu uns auf die Terrasse. Wahrscheinlich waren sie eifersüchtig auf die anderen und wollten uns nun auch endlich näher kennen lernen ;) Sie hatten auch „leichteres Spiel“, da Frederik in dieser Woche in Nagpur geblieben ist.
Der Abend war aber total nett. Die Jungs sind alle so um die 20-22 Jahre alt und echt herzlich! Klar wollten wir auch wissen, wie das denn bei Ihnen so mit den Girlfriends aussieht. Wir hatten ja schon erfahren, dass die Nurse-Schülerinnen alle einen Boyfriend haben J
Zu Beginn wollten sie es nicht wirklich zugeben, aber wirklich verheimlichen konnten sie es auch nicht. In wie weit ein Girlfriend auch ein Girlfriend, nach europäischen Vorstellungen, ist, konnten wir aufgrund Sprachprobleme nicht heraus finden.
Es ist aber so, dass sie ihre Beziehung definitiv niemals öffentlich machen dürfen. Der eine Junge, weiß schon, seitdem er 5 Jahre alt ist, mit welchem Mädchen er mal verheiratet wird. Er hat jetzt noch 4 Jahre Zeit, in denen er mit der Frau die er liebt „zusammen“ sein kann. Wenn er 26 Jahre alt ist, wird er dann verheiratet. Diese Vorstellung ist so schrecklich!! Ich bin, seit diesem Abend noch viel mehr, unglaublich froh in Europa geboren zu sein!!
Er hat auch erzählt, dass er seiner Freundin nicht sagt, dass er sie liebt. Er hat Angst davor es ihr zu sagen. Warum konnte ich leider nicht wirklich herausfinden, aber ich mutmaße mal, dass er Angst vor der Verletzung hat.
Seit euch echt alle mal bewusst, was, wir Europäer, für ein Glück haben uns aussuchen zu können, wen wir heiraten möchten.

Ja so sah mein Freitag aus. Dieser Tag war wirklich extrem, aber die anderen Tage sind, was die Planung angeht, nicht wirklich anders. Ich plane schon gar nicht mehr, weil so wird es eh nicht stattfinden! Ob ich nun wann und wohin fahre! Ich habe keine Ahnung! Wen ich wann und wo treffe, wann ich wo, was esse?? Frag mich nicht!!  Man muss wirklich lernen sich in sein Schicksal zu fügen. Es wird schon alles irgendwie richtig sein! Es lässt sich grad so leicht aufschreiben, aber das zu erleben ist nicht wirklich leicht!! Aber deswegen bin ich ja hier, in Indien!! Um mich und meine Grenzen neu zu erfahren und zu entdecken J


Was wollt ihr denn aus meinem aktuellen Leben sonst noch so wissen??

1 Kommentar:

  1. so ein "in den tag hinein leben" is bestimmt auch echt klasse, wenn man sich dran gewöhnt hat ;) bloß nich zuviele gedanken machen ^^
    sehr interessant zu lesen, wie krass anders die welt da unten doch is :)

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