Die letzte Woche , so hatte ich das Gefühl, wollte mir Indien sein Herz, sein tiefstes Inneres, zeigen.
Für mich war es wunderschön, spannend, mit Herausforderungen und vor allem Spontan :)
Am Montag, den 13.06.2011, war ich froh endlich in Bamhani, unserem Dorf, zu sein um dort ein wenig Ruhe einkehren zu lassen.
Das Wochenende im Nationalpark war doch etwas anstregend gewesen und ich könnte nicht behaupten dort genug Schlaf gefunden zu haben.
In Bamhani angekommen hatte ich es gerade geschafft meine Sachen auszupacken und einzuräumen und wollte mit dem Putzen anfangen..
Aber wie schon öfter festgestellt, kennt Indien Ruhe und Privatsphäre nicht wirklich.
Usha, die Leitung in Bamhani, klopfte auf indische Art und Weise an die Tür, was heißt, dass es keine Möglichkeit gibt, als nicht sofort zu öffnen.
"Du Sarah, heut Abend ist die Hochzeit von meinem Neffen in einem anderen Dorf. Hast du Lust mitzukommen?" (Natürlich in einem hindi-englisch-Misch-Masch)
"Ähh, heut Abend? Ja klar, wieso nicht!"
"Super, und übrigens werden wir erst morgen zurück kommen."
"Erst morgen zurück kommen.. Äh - ok - alles klar - bin dabei" - Bin ja spontan ;)
"Gut, dann hole ich dich in einer halben Stunden an. Zieh bitte einen Salva-kames an" (Eine indische Traditionskleidung, die die Mädchen tragen, bis sie verheiratet sind)
- Na super, natürlich hatte ich nur meinen einfachsten Salva-Kames in Bamhani, die etwas besseren waren in Nagpur. Aber gut, besser den als gar keinen.
"Gut, dann hole ich dich in einer halben Stunden an. Zieh bitte einen Salva-kames an" (Eine indische Traditionskleidung, die die Mädchen tragen, bis sie verheiratet sind)
- Na super, natürlich hatte ich nur meinen einfachsten Salva-Kames in Bamhani, die etwas besseren waren in Nagpur. Aber gut, besser den als gar keinen.
Halbe Stunde. Gut. Kein Putzen. Schnell Packen und fertig machen.
Aber was pack ich bitte um in einem Dorf zu übernachten?? Ich wohne zwar in einem Dorf, aber so wirklich Dorf ist es dann doch auch nicht. Es ist das Gelände vom Sangam und unsere Wohnung ist für uns Freiwillige eingerichtet. Also eher westlich..
Also nun - ein Dorf. Zuviele Hygieneartikel sind bestimmt nicht angebracht und außerdem sind wir ja morgen wieder zurück.
Ich packte in meinen Koffer: eine Zahnbürste, Zahnpasta, Gesichtswaschgel, Schlafanzug, Handtuch und viel viel Trinkwasser! Ja ich glaube das wars!
Und los ging das Abendteuer.
Wir wurden mit dem Auto vom Sangam nach Buti bori, die nächste "Kleinstadt" gefahren. Dort wurden wir von einem weiteren Neffen von Usha mit dem Roller abgeholt. Drei Erwachsene auf einem Roller ist in Indien nichts besonderes.
(Ich habe übrigens bis zum Schluss nicht herausgefunden, wer jetzt nun mit wem und wie verwandt ist. Indische Familien sind doch etwas größer ;))
Über Stock und Stein ging es in das Dorf, dessen Namen ich nie wusste ;)
Wer jetzt nun genau in dem Dorf wohnt, weiß ich auch nicht. Das Brautpaar ist es nicht und die Eltern des Bräutigam auch nicht. Ob es das Dorf der Braut war, lies sich für mich nicht erkennen.
Dort angekommen ging es erstmal in die Küche, von wem auch immer ;) Und es gab - wer will raten? - Chai :)
Es war ein schönes Gefühl mit den ganzen Inderinnen und den Kindern, die alle kein englisch können, in dieser viel zu warmen Küche zu sitzen und Chai zu trinken.
Natürlich wurde Usha erstmal über mich ausgefragt.
In Indien leider ein weit verbreitetes Phänomen. Man wir nicht direkt gefragt, wer man ist und was man macht, sondern immer die Begleiter, die einen "mitgebracht" haben. Sei es in englisch oder in Hindi.
Nachdem der Chai getrunken war und jeder erstmal soweit über mich bescheid wusste, haben wir das Brautpaar aufgesucht. Eigentlich nur, damit ich von ihnen Bilder machen kann. Gesagt getan.
| Das Brautpaar |
| Rupalee, die Braut |
Was dort genau für eine Zeremonie von sich ging, weiß ich nicht.
Die eigentliche Hochzeit war wohl auch schon am Sonntag gewesen.
Ich war, ganz am Anfang meines Indienaufenthaltes, auf einer Hochzeit gewesen, da sah es von der Zeremonie her so ähnlich aus und das war der Hauptteil gewesen. Es ist hier alles ein wenig - Anders.
Das schöne war, dass ich sofort ganz viele kleine Freunde und Freundinnen hatte. Ein 13 jähriges Mädchen war nur an meiner Seite und hat mir sehr geholfen! Sehr sehr süß!!
Chai getrunken, Fotos gemacht, was nun?
Zurück in die Küche - und dann??
"Ja schick machen, Sarah! Für den nächsten Teil der Hochzeit."
"Ja, aber..."
Aber es war über meinen Kopf hinweg schon wieder alles entschieden und organisiert :)
"Ja, aber..."
Aber es war über meinen Kopf hinweg schon wieder alles entschieden und organisiert :)
Ich sollte einen Sari tragen. Meinen ersten Sari :)
Also wurde ich eingekleidet. Ich kam mir ein wenig vor, wie am Hofe. 3-4 Frauen die an mir herumgezupft haben. In diesem Moment aber ein angenehmes Gefühl.
Ich bekam noch eine Goldkette von Ushas Tochter und für Inder passende rosa Ohrringe von meiner kleinen Freundin.
Somit war ich fertig und wurde vor die Tür gesetzt ;)
Ich wartete also vor dem Haus und saß auf einem der Betten.
(Bevor die Regenzeit began haben alle draußen geschlafen.)
Zum Glück waren meine kleinen Freunde um mich herum versammelt, mit denen ich viel Spaß hatte. Wir haben jede Menge Fotos gemacht.
| Diesen kleinen Jungen haben wir versucht zum Lachen zu bekommen :) |
Leider habe ich in der Zeit verpasst, wie die Braut neu eingekleidet wurde. Typisch indisch. Man wird einfach irgendwo hingesetzt (in Indien durfte ich bis jetzt nicht länger als 2 Sekunden irgenwo stehen) und dort wartet man. Da ich ja den Ablauf überhaupt nicht kannte und ja auch eigentlich immer noch nicht kenne, blieb ich halt sitzen. Ich langweilte mich ja nicht und dachte, dass das schon alles so seine Richtigkeit hat. Nun gut.
Während ich mit den Kindern da saß, fühlte ich mich in einem Moment wie im Film. Ich schaute nach oben und sah eine unglaublich große Masse von Jungs auf mich zukommen. Ich dachte nur "Was geht denn hier ab?" und fragte meine kleine Freundin was denn nun passieren würde. In diesem Moment fühlte ich mich echt etwas unwohl. Mit den ganzen Blicken kann ich ja schon einigermaßen mit umgehen, aber das war in diesem Moment einfach zu viel. Sie hatte mir das wohl angemerkt, denn sie stand auf und meinte, dass wir jetzt zurück ins Haus gehen werden. Dies kam mir sehr entgegen!
Die Jungs mussten dann leider wieder gehen...
| Auch der Bräutigam wurde neu eingekleidet |
| Ich fand die Schuhe echt schickt ;) |
Als es dann dunkel war, das einzige Zeitgefühl was ich noch habe, ging es los zu einem eingezäunten, relativ großen Feld.
Auf diesem Feld war mit eingezäunt das "Gotteshaus". Dort wurde eine kurze Puja abgehalten, ein ganz kleiner Gottesdienst! Der Gott, welcher auch immer von den vielen, wurde um Glück und Segen gebeten.
Danach ging eine ewig lange Prozession los.
Das Brautpaar setzte sich auf einer Empore auf heweils einen schön geschmückten Stuhl.
Dort musste es sich erstmal ausgiebig von einem Fotographen fotographieren lassen. Dies ist echt fieß, da der Fotograph ein unglaublich helles Licht auf die zu fotographierenden Personen hält, so dass man überhaupt nichts mehr sieht. Lächeln kann man da schon garnicht. Das Problem fällt auf den indischen Bilder aber garnicht so auf, da Inder auf Bilder nicht lächeln. Ich versuche sie immer dazu zu bringen, was aber garnicht so leicht ist. Indern sehen auf Fotos immer aus, als ob etwas schrecklich Trauriges vorgefallen wäre.
Nachdem die Hauptbilder vom Paar gemacht waren, ging es los. Das ganze Dorf und alle Angehörigen die sich versammelt hatten, ging nacheinander auf die Empore um dem Paar zu gratulieren und ein Geschenk zu überreichen.
| Brautpaar mit den Eltern vom Bräutigam |
Zum meinem Glück ist es auch vollkommen normal und in Orndung, wenn man Geld überreicht. Ich hatte bei der ganzen Spontanität natürlich keine Zeit noch irgendwo ein Geschenk zu aufzutreiben. Der Geldbetrag lag übrigens bei 20 Rupeen. Nach aktuellem Kurs sind 64 Rupeen 1€. Ihr dürft euch nun gerne selber ausrechen, was das für ein kleiner Betrag war.
Während dessen wurde Musik gespielt. Keine indische traditionelle Musik, sondern solche die auch bei uns in den Diskos läuft. Zuerst haben nur die kleinen Jungs dazu getanzt, später dann auch die Älteren und die Männer. Ich habe gemerkt, dass die Frauen auch alle Lust hatten, aber nicht tanzen gegangen sind.
Während wir da so saßen, wurde ich natürlich von vielen vielen gefragt wer ich bin, wie ich heiße und woher ich komme. Ich glaube, dass ich alleine mit meine Anwesenheit das ganze Dorf ziemlich auf den Kopf gestellt habe :)
| Ein kleines dickes Kind |
Es ist unglaublich was die Inder für ein Tacktgefühl haben und wie v.a. die Männer hier tanzen. Da können sich aber mal die meisten von unseren deutschen Männern etwas abschauen. ;)
Mir war ja schon immer klar, dass sie das tanzen einfach im Blut haben müssen.
Ich beobachtete dann aber eine Situation, die mich irgendwie Mitten im Herzen getroffen hat. Nun ist mir auch klar, warum alle so gut tanzen können.
Ein Opa setzte sich, mit seiner Enkelin, nicht weit von mir entfernt hin. Die Kleine war vielleicht knapp ein Jahr alt und konnte noch nicht einmal wirklich stehen und trotzdem hat der Opa mit ihr angefangen zu tanzen. Zuerst war die Kleine ein wenig überfordert, aber dann hat sie angefangen sich zur Musik zu bewegen. Das war so unglaublich süß!
Für mich war es ein wunderschönes Bild. Der Opa mit seiner Enkelin beim Tanzen. :)
| Opa mit Enkelin |
Ich genieße es hier in Indien sowieso sehr das Zusammenspiel von den Generationen zu beobachten. Dies fehlt in Deutschland. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Aber ich weiß schon, dass dies ein "Bild" sein wird, was ich vermissen werde, wenn es irgendwann mal wieder Zeit wird nach Deutschland zurück zu kommen. Genauso wie die vielen vielen Kinder die einfach im Alltag integriert sind und überall vorkommen :)
| Drei Generationen (aber nicht von einer Familie) |
Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nich Lust hätte auch zu tanzen. Von Jungs wie von Mädchen. Ich schaute Usha immer nur fragend an und eine wirkliche Antworte habe ich nie bekommen. Meine Antwort war dann immer "bad me", also "später"
Ich wusste während des ganzen Abends nicht wie ich mich verhalten sollte, da ich auf keinen Fall irgend welche Regeln brechen wollte. Ich fiel eh schon genug auf und ich wollte Usha nicht in peinliche Verlegenheit bringen.
Obwohl ich keine Ahung vom Ablauf hatte, aber der Gast war, wurde ich ständig gefragt, was wir nun machen sollen. ICH? Woher sollte ich das nur wissen??
Nach weiteren Minuten oder Stunden fragten mich die Schwestern vom Bräutigam, ob ich nicht mit ihnen tanzen wollen würde. Auf der Suche nach Ushas zustimmenden Blick, traff ich viele zustimmende Blicke von den Frauen um mich herum. Ok, also warum nicht tanzen. Hatte ich die ganze Zeit schon Lust zu.
Leider verging diese ganz schnell. Ich wurde auf die "Tanzfläche" gezerrt. Dort war auf der einen Seite eine Männerfront, von denen die meisten ziemlich stierten und auf der anderen Seite die Frauenfront. Jede wollte, dass ich tanze und getraut at sich aber keine. Die Krönung dazu war das grelle Licht des Fotographen.
Ich versucht mich ein wenig auf die Musik zu bewegen, kam mir aber neben den Inderinnen vor wie ein ungelenkiger Roboter. Neben mir tanzten noch die drei Schwestern des Bräutigam.
Zum Glück hieß es relativ schnell, dass es nun erstmal Essen geben würde.
(Für die Inder war es das Heileit, dass ich getanzt habe und noch heute erzählt Uhsa allen davon ;))
Mit Usha den Frauen und Kindern ging es zurück.
Auf dem Weg sahen wir eine lange Menschenschlage vor den Kochtöpfen sitzen und essen. Ich dachte eigentlich, dass wir uns dazu setzen.
Dem war nicht so. Usha hat mich wieder auf das Bett vor dem Haus gesetzt (dort wo ich schon ver der Zeremonie saß) und mich mit den Worten dort warten lassen, dass sie jetzt für mich essen holen werde. Mitkommen durfte ich nicht. Also saß ich da und wartete. Sie kam mit einem voll beladenen Teller wieder. Aber nur einen. Auf meine Frage, ob sie nicht essen wollte, gab sie keine Antwort.
Nun saß ich da und musste alleine essen, während sie mir zusah und ich weiß nicht wer sonst noch alles. Ein komisches Gefühl. Ich hatte auch garnicht so viel Hunger. Aß aber alles auf. Wollte ja nicht unhöflich wirken.
Als ich fertig gegessen hatte, ging es ins Haus. Dort waren die Männer in den letzten Zügen am Essen.
Da wurde mir auch klar, warum Usah nicht mit mir zusammen gegessen hat.
Erst als diese fertig waren begann Usha und ihre Schwester zu essen. Sie füllten sich den nicht ganz leer gegessenen Teller von den Männern wieder auf.
Was eine merkwürdige Situation. Klar habe ich, auch in Deutschland schon, öfter davon gehört, dass die Frauen erst nach den Männern essen. Dies aber einmal mit eigenen Augen zu sehen ist etwas ganz anderes und ich erlebte und lebte es in den Tagen auch noch weitere Male mit.
Nur ich durfte zur gleichen Zeit wie die Männer essen, da ich ein Gast war. Ich hätte viel lieber auch gewartet und mit den Frauen zusammen gegessen...
| Riesenchapatis! |
Während der ganzen Zeit dachte ich, dass vielleicht irgendwann noch der Moment kommt und alle Frauen zusammen tanzen werden. So wie ich es aus den indischen Filmen und aus Erzählungen kenne.
Also vielleicht nach dem Essen??
Nein, nach dem Essen ging es wieder in die Küche, wo alles angefangen hat und die schicken Saris wurden ausgezogen. Wir machten uns Bett fertig.
Also zog ich meinen Schlafanzug an und putze mir die Zähne. Ich lege ja viele westliche Dinge ab. Aber dies nicht! Auch wenn ich dafür ein wenig komisch angeschaut wurde.
Die Frauen haben keine Schlafanzug angezogen, sondern in ihren Alltagssaris geschlafen. Ich weiß nicht, ob sie das immer so machen, oder nur weil sie selber Gast waren.
Ich traute mich übrigens den ganzen Abend nicht wirklich etwas zu trinken, da ich nicht wusste, ob es überhaupt eine Toilette gibt oder ob ich hinaus auf das Feld muss.
Doch bevor wir ins Bett sind, übrigens in einem anderen Haus, musste ich dann doch mal und ich war überaus glücklich zu erfahren, dass es eines gab. Ein indisches sauberes Plumsklo und das sogar im Haus und nicht außerhalb in einer kleinen Hütte.
Juhuuu ich konnte endlich wieder trinken :)
Juhuuu ich konnte endlich wieder trinken :)
Geschlafen habe ich mit meiner kleinen Freundin auf einem Bett. Eine Ehre, weil ich ein Gast bin. Die Frauen, ich meine es waren 5, lagen zusammen mit noch 2 Kindern auf dem Boden, zwei weiter Jungs auf einem anderen Bett. Wo die Männer geschlafen habe weiß ich nicht.
Während wir, die Frauen und Kinder ins Bett sind, haben die Männer noch weiter gefeiert.
Ich empfand das in diesem Moment richtig unfair!! Ich wollte auch noch tanzen!!
Auf die Frage, warum die indischen Männer so viel freier sind, (die ich einem indischen Bekannten meines Alters stelle) bekam ich die Antwort: "Männer haben nichts zu verlieren." Aber bitte was haben die Frauen zu verlieren??
Am nächsten Tag wachten wir alle so gegen 7 Uhr auf.
Drei mal dürft ihr raten was eine Inderin als erstes macht, nachdem sie aufgestanden ist!
Nein, sie geht nicht auf die Toilette. Nein, sie zieht nicht etwas anderes an. Nein, sie macht nicht das Bett.
Nein, sie geht nicht auf die Toilette. Nein, sie zieht nicht etwas anderes an. Nein, sie macht nicht das Bett.
Sie kocht Chai!
| Ein typischer indischer Herd |
| Ganz selten steht auch mal ein Mann am Herd - es gab Chai ;) |
Und die anderen Familienmitglieder putzen sich mit einem Puder, das aus Bestandteilen des Neembaum hergestellt wird, und den Fingern die Zähne.
Ja und was mache ich? Meine Zahnbürste und mein Salva-kames waren in dem anderen Haus, also trank ich Chai.
Nachdem alle Anderen mit dem Zähneputzen fertig war, irgendwie mal wieder nichts erkennbares passiert und ich eine unangenehmen Geschmack im Mund hatte, probierte ich das Zähneputzen mit Puder und Finger.
| Mein Schlafanzug wird noch ne größere Rolle spielen. |
Das Puder schmeckt nicht schlecht, aber auch nicht gut. Ich war positiv überrascht wie glatt und angenehm sich meine Zähne danach anfühlten.
Da mein gefiltertes Wasser leer war, ich aber etwas zum Mund ausspülen brauchte, nahm ich einfach das Trinkwasser der Inder. Es war ja nur zum Mund ausspülen. Später entdeckte ich in dem Wasser die Larven der Mücken und musste automatisch an das Regenwasser denken. Mit dem Wasser haben wir als Kinder oft gespielt, wären aber niemals auf die Idee gekommen dieses Wasser zu trinken. Wie hygienisch wir doch aufwachsen und leben!!
Ich schätze es war gegen 9 Uhr, sind wir dann wieder in das "Haus mit der Küche". Dort konnte ich mich umziehen. Gewaschen habe ich mich nicht wirklich, da ich ja dachte wir fahren eh bald nach Bamhani und dort kann ich dann duschen und frische Klamotten anziehen.
Mit meiner Freundin an der Seite ging es zum Frühstücken. Fettigen, heißen Reis auf Zeitungspapier. Zum Glück nicht all zu scharf! Und als Nachtisch unglaublich süße Zuckerringe.
Nachdem wir aufgegessen hatten, fingen die ersten Verwandten an aufzubrechen. Ein Abschied ist bei den Indern relativ kühl.
Vorher holte mich meine Freundin noch in eine dunkle und unbeobachtete Ecke und schenkte mir ihren Ring, den ich am Abend zuvor auch schon tragen durfte. Eine unglaublich süße Geste.
Ich wollte ihr auch etwas als Erinnerung mitgeben, hatte aber keine Ahnung was. Hatte nicht wirklich etwas dabei.
Da vielen mir noch zwei Passbilder ein, die ich noch im Portmonaie hatte. Ich komme mir zwar ein wenig merkwürdig vor, Fotos von mir zu verschenken, aber sie hat sich sichtlich gefreut :)
Da vielen mir noch zwei Passbilder ein, die ich noch im Portmonaie hatte. Ich komme mir zwar ein wenig merkwürdig vor, Fotos von mir zu verschenken, aber sie hat sich sichtlich gefreut :)
Dann saßen wir wieder herum. Mal draußen, mal drinnen.
Gegen 11 Uhr wurde mir ein frische Chapati mit Ghee gereicht. (Ghee ist ausgelassene Butter und wird in Indien viel verwendet. Wer schon einmal mit mir gekocht hat, müsste dies kennen ;))
Ich war eigentlich noch pap satt und wollte es nicht annehmen, konnte mich aber nicht wehren.
Ich war eigentlich noch pap satt und wollte es nicht annehmen, konnte mich aber nicht wehren.
Und es hat so gut geschmeckt! Ich liebe frisches Chapati!!
Zum Glück konnte ich mich durchsetzen und meinen Teller selber in die Küche zurück bringen. Dort sah ich, dass die Chapatis noch weiterin frisch zubreitet wurden.
Juhu ich durfte helfen. Die Frauen waren alle ganz fasziniert, dass ich Chapatis rollen konnte. Ehrlich gesagt war ich es auch selber. Ich hatte es schon ein paar Mal vorher versucht und mich etwas ungeschickt angestellt. Aber diesmal funktionierte es perfekt. Meine Chapatis wurden schön rund :)
Nun wollten sie alle "deutsche" Chapatis essen. Wir hatten eine Menge Spaß :)
Wir verabschiedeten das Brautpaar und ich wurde zurück zu Usha und dem Haus geschickt, in dem wir geschlafen haben. Ich meine, es ist das Haus von ihrem Bruder.
Dort war auch Usha gerade dabei zu kochen und ich rollte wieder Chapatis aus.
Dann durften die Männer essen und als sie fertig waren, durften Usha und ich. Hunger hatte ich eigentlich keinen, aber es schmeckte gut :)
Ich war heil froh, dass sich danach alle für ein Mittagsschlägen hingelegt haben. Ich war tot müde und wollte nur noch schlafen.
Ich war heil froh, dass sich danach alle für ein Mittagsschlägen hingelegt haben. Ich war tot müde und wollte nur noch schlafen.
Eigentlich hatte ich den ganzen Morgen die Hoffnung, dass wir nach Bamhani zurück fahren, sie wurde aber nicht erfüllt und Usha sah auch nicht so aus als ob sie es eilig hätte.
Also erst einmal schlafen :)
"Juhuuu, es ist 16 Uhr, wir können fahren." Dies war mein erster Gedanke, nachdem ich aufgewacht bin. Leider war dem nicht so. Es war 14 Uhr. Hätte mich auch sehr gewundert, wenn ich so lange geschlafen hätte.
"Um 16 Uhr fahren wir", meinte Usha, nachdem auch sie aufgewacht war.
Ich habe mich dann noch ein wenig mit Ushas Neffen unterhalten. Er war der einzige, der fließen Englisch konnte. Es ist doch echt schön sich fließend unterhalten und wirkliche Informationen austauschen zu können.
Ich war sehr überrascht. Er zeigte mir Bilder von seinen Reisen und ein Zugticket. Er plante mit seinen Freunden nach Dehli zu fahren. Das Inder, die auf dem Dorf wohnen, zum Spaß reisen, kommt doch eher selten vor.
Gegen 15.30 verdunkelte sich der Himmel zusehenst. Ich hatte schon Angst, dass wir nun nicht mehr nach Hause fahren können, aber Usha nahm mir die Angst!
Und dann fing das Gewitter auch schon an. Das Wasser kam nur so vom Himmel und in kürzester Zeit war die Straße zu einem Fluß geworden.
Die Leute fingen an sich in einem Haus, das gegenüber von uns lag, zu sammeln.
Ich wollte mich auch auf den Weg dorthin machen, nur vorher noch schnell auf die Toilette gehen.
Ich war nur 3 Sekunden auf der Toilette und fand eine andere Welt vor.
Im Zimmer saßen die 2 Schwestern von Usha. Die eine weinte bitterlichst und hing bei der Anderen im Arm. Ich wusste überhaupt nicht was los war.
Plötzlich viel die "Weinende", übrigens die Mutter des Bräutigam, in Ohnmacht. Ich stand völlig unter Schock.
Die anderen Anwesenden versuchten ihr den Mund auseinander zu drücken. Deswegen dachte ich im ersten Moment an einen epileptischen Anfall. (Hab noch die einen gesehen.) Mir fehlten aber andere Symptome, die ich in meiner Ausbildung gelernt hatte.
Der Raum füllte sich unglaublich schnell und auf einmal waren überall Zwiebeln.
Sie fingen an ihr die Zwiebeln unter die Nase zu halten und die Füße einzureiben. Das Einzige was mir in diesem Moment einfiehl war "Füße hoch".
Dann kam sie zum Glück auch wieder zu sich. Ich konnte die Symptome überhaupt nicht einordnen. Sie hing wieder in den Armen ihrer Schwester und weinte bitterlich. Dann fing sie an zu Husten, als ob sie sich übergeben musste und rieb ihre Brust. Für mich sah es so aus. als ob sie keine Luft bekommen würde. Aber was tun??
Übergeben hatte sie sich nicht ein Einziges mal.
Übergeben hatte sie sich nicht ein Einziges mal.
Dann wurde sie wieder bewusstlos. Noch mehr Menschen und noch mehr Zwiebeln..
Ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, wie viel Zwiebeln sich in einem indischen Haushalt befinden.
Auch ich fing an ihr Zwiebeln an die Füße zu reiben, unfähig irgend etwas anderes zu tun, aber auch nicht einfach nichts tun wollend.
"Was hat sie nur?? Und was bringen die Zwiebeln?? Wir müssen ihr irgendwie sinnvoller helfen, aber wie??", waren die Fragen die mir die ganze Zeit durch den Kopf gingen.
Nachdem sie relativ schnell wieder zu sich gekommen ist, wollte ich unseren Arzt anrufen, anders konnte ich mir nicht mehr helfen.
Wie sollte es auch anders sein, ging mein Telefon nicht. Mein Mikro war kaputt, konnte also nicht telefonieren.
Ok, anderes Handy! Indische Handys haben meistens zwei Simkarten. Ich kam überhaupt nicht klar.. Neues Handy - Ushas Handy..
"Wir fahren jetzt ins Krankenhaus nach Buti Bori", war die Antwort von Usha als ich nach ihrem Handy fragte. Ich war erleichtert.
Ihre Schwester hustete zwar immernoch so, war aber gut bei Bewusstsein. Während sie ins Auto umstiegen, habe ich noch schnell unser Gepäck geholt.
Bevor wir losfuhren drückten sie mir noch eine handvoll - was auch sonst - Zwiebeln in die Hand.
So saß ich dann im Auto. Völligst fertig mit der Welt, neben einer Kranken, bei der ich keinen blassen Schimmer hatte, was sie hat und Zwiebeln in der Hand.
Was ein Bild.. Ich musste selber ein bisschen schmunzeln.. Diese Zwiebeln..
Ich hab die Autofahrt durch nur einen Wunsch! Bittel, lass sie nicht wieder ohnmächtig werden! "Zum Glück" hatte sie "nur" diese Hustenanfälle.. So kamen wir ohne weitere Zwischenfälle im Krankenhaus an. Zum Glück hatte der Regen auch ein wenig nachgelassen.
Das Krankenhaus ist eher eine Krankenstation. Ich habe nur ein Zimmer gesehen, in dem drei Betten stehen.
Auf eines dieser Betten wurde sie gelegt und Blutdruck und Puls wurden gemessen.
Blutdruck war 150/100, Puls war in Ordnung mit 88.
Dann bekam sie eine Zuckerinfusion und wir zogen ihr trockene Kleider an.
In der Zwischenzeit kamen immer mehr Verwandte. (Genauso, wie wir es aus Deutschland mit den südlichen Ländern kennen ;)) Gemacht haben sie eigentlich nichts, außer rumgesessen..
Unsere Patientin bekam noch eine Spritze, bei der ich aber nicht herausgefunden habe, was es war und noch ein paar mal den Blutdruck gemessen. Der niedrigste Blutdruck war zum Schluss bei 130/90. Also noch immer ziemlich hoch. Ihr selber ging es aber besser und sie viel in einen leichten Dämmerschlaf.
Nachdem ich wusste, dass es ihr nun besser geht und die restliche Verwandten ja nun auch da waren, hatte ich, mal wieder, die Hoffnung vielleicht nach Hause fahren zu können.
So langsam kam ich mir doch recht ekelhaft vor.
Aber nein. Wir blieben.
Irgendein Verwandter, ein Junge in meinem Alter, suchte die ganze Zeit schon krampfhaft den Kontakt zu mir. Nun endlich hatte er die beste Möglichkeit. Die Kommunikation war nur recht schwer, da er kein Wort Englisch konnte. Aber ich trainiere ja mein Hindi ;)
Irgendein Verwandter, ein Junge in meinem Alter, suchte die ganze Zeit schon krampfhaft den Kontakt zu mir. Nun endlich hatte er die beste Möglichkeit. Die Kommunikation war nur recht schwer, da er kein Wort Englisch konnte. Aber ich trainiere ja mein Hindi ;)
Nachdem ich die üblichen Fragen über Familie und Deutschland beantwortet hatte, wollte er dann mein Handy haben (was in Indien vollkommen normal ist). Nachdem er auch die peinlichsten Bilder und Videos gefunden hatte, schickte er sich, ohne dass ich es mitbekam, eine Sms von meinem Freund. Es steht zum Glück nur relativ belanglose Sachen darin.
Diese Sms, wie mir später Freddi erzählte, geistert nun durch die Dörfer. Wie schön, dass sie alle kein Deutsch verstehen ;)
Nachdem es Ushas Schwester sichtlich besser ging und alle Verwandten wieder ins Dorf gefahren wurden, brachen auch wir auf. Sie bekam noch drei unterschiedliche Tabletten mit. Eine gegen Bluthochdruck und eine gegen Depressionen.
Was das für ein Anfall war, den sie hatte, weiß ich bis heute nicht. Vergessen werde ich es aber niemals!
Der Weg führte uns zu ihr nach Hause. Sie wohnt in Buti Bori, einer kleinen Stadt in der Nähe von Bamhani. Nun konnte ich auch ihren Ehemann zuordnen :)
Ich hätte ja am liebsten gesehen, wenn sie sich schlafen gelegt hätte. Sie war noch völlig durch den Wind. Doch Rückzug ist in Indien ja ein Fremdwort und somit blieb sie im Wohnzimmer.
Es gab Chai und ich unterhielt mich nett mit dem Mann im Hause.
Bis ich nach Bamhani kam, dauerte es noch ein wenig.. Fortsetzung wird folgen..
Noch ein paar Bilder vom Dorf:
| Der private Gebetstempel, den jeder Hinduist Zuhause hat |
| Der Blick in den "Garten" |
Wow, spannend absurde Erlebnisse! Herausbekommen, was es mit den Zwiebeln auf sich hat?
AntwortenLöschenLiebe Grüße FH
Zum Thema Tiere: Krass, wie dünn die alle sind - und das erste Bild ist schockierend, wie sie da angebunden sind. Sicherlich ohne Wasser und Futter. Aber die freilaufenden Tiere haben es 100 mal besser als in Deutschland. Lieber wenig Wasser und Futter, aber dafür "artgerechte" Haltung und nicht wie hier in Europa, wo sie in Massenställen zusammengepfercht sind, sich kaum bewegen können und so auf Hochleistung getrimmt werden, dass sie kaum noch Kraft haben...
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