Seit Dienstag wohnte in unserer WG im Dorf Bamhani nicht nur Sophie, Freddy und ich, sondern auch Paul.
Paul ist einer unbeschreiblich süßer ca. 7-9 Monate alter Hundewelpe. (Ich habe leider absolut keine Ahnung von Hunden und kann deswegen schlecht einschätzen wie alt er ist.)
Ein "Luxusproblem" deswegen, weil wahrscheinlich nur wenige Menschen in diesem Land die Fürsorge und Liebe bekommen habe, die wir aktuell dem Paul widmen. Im tiefsten Inneren lachen uns die Inder vielleicht sogar aus, denn er ist ja nur ein kleiner Hund und Hunde hat dieses Land mehr als genug. Also wieso so ein Theater daraus machen....
Am Dienstag Abend wollten Sophie und ich uns mal etwas gönnen und uns ein paar Nudeln kochen.
Ich war zuvor mit den Jungs und Feddy in unserem Regenwasserrückgewinnungsbecken schwimmen und hatte wahnsinnigen Hunger.
| Dieser nette Ort bietet eine wunderbare Abkühlung an den heißen Tagen :) |
Da unser Gas unseres "Herdes" leer ist, mussten wir in die Dorfküche gehen. Zuvor allerdings den Schlüssel von der Köchin Lolita, unserer Nachbarin abholen.
Sie war nicht anwesend, sondern nur ihre Tochter und diese wusste nicht, wo der Schlüssel war.
Aber der Hunger und die Lust auf Nudeln war eigentlich auch schon vergessen.
Aber der Hunger und die Lust auf Nudeln war eigentlich auch schon vergessen.
An der Türklinge der Eingangstür war an einem dünnen Seil Paul angebunden. Er saß, auf dem Fußabtreter mit einer Schüssel Wasser vor sich, mitten im Eingang und war total verängstig und eingeschüchtert.
Aber eins hat er sofort: Das Herz von Sophie und mir erobert.
Nachdem wir herausgefunden hatten, dass dieser kleine schutzlose Hund weder einen Namen, noch einen Besitzer hatte, stand unser Entschluss fest. Der kommt mit zu uns!! Lolita und ihre Familie hätten ihn wohl am nächsten Tag wieder zurück ins Dorf gebracht.
Dies hätte mir das Herz gebrochen. Egal was nun alles auf uns zu kommt, er bedarf gutes Essen und v.a. viel Liebe und Zuwendung.
Ich muss leider sagen, dass die Inder, die ich kennen gelernt habe, nach meinem Empfinden, v.a. Liebe und Zuwendung nicht geben können.
Es ist eigentlich unglaublich traurig, aber leider die Wahrheit. Nur sehr wenige haben in ihrer Kindheit die Liebe und Zuneigung erhalten, die ein Kind braucht um mit Zuversicht in die Zukunft und das Erwachsenenleben zu starten.
Wie ich schon in meinen Einträgen vom Krankenhaus beschrieben habe, gehen die Inder mit sich untereinander sehr grob um.
Anstatt ein Kind zu streicheln oder es liebevoll in den Arm zu nehmen, werden die Kinder, in meinem Empfinden sehr hart, in die Wange gekniffen, oder auf den Rücken geschlagen, so dass es mir schon fast in den Ohren weh tut.
Sie kennen einfach keinen liebevollen Umgang und deswegen gehen sie genauso "grausam" mit dem wundervollen kleinen Geschöpf Paul um.
Anstatt in zu streicheln, hauen sie im die Hand ins Gesicht und verstehen dann nicht, warum ich das nicht lustig finde und sie davon abhalten will.
Nun so schnell war Paul bei uns. Ich konnte eigentlich nur immer wieder lachen, denn es war so eine absurde Situation. (Sie hat mich ein wenig daran erinnert, wie ich meine Ratten bekommen habe;))
Also saßen Sophie und ich da und hatten einen kleinen Welpen zu pflegen. Wir saßen da und hatte keine Idee wie!
Was isst so ein kleiner Hund eigentlich?
Und wie bekommen wir ihn stubenrein?
Ist er frei von Krankheiten?
Auf was muss man sonst noch achten?
Fragen über Fragen.
Zum Glück gibt es das Internet!
So gab es am ersten Abend für unseren Paul Haferflocken mit Milch und Honig. (Wie ich im nachhinein erfahren habe, nicht unbedingt das Beste, aber er hat es gut überlebt :))
Zu Beginn wollte er garnicht essen und er hing nur schlapp in seinem schnell gebauten Nest herum. Nachdem wir ihm das Essen mit dem Löffel direkt angeboten haben und er auf den Geschmack gekommen ist, hat er den Rest gierig verschlungen. Er muss schon lange nichts mehr, außer Kuhmilch, zu Essen bekommen haben.
Sophie und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Wie schnell man für so ein kleines zartes Geschöpf Muttergefühle entwickeln kann, unglaublich ;)
Dann kam die erste Nacht und meine Entscheidung mit dem Kinderkriegen noch ein bisschen zu warten ;)
Der gute Paul hat von 23 Uhr bis ca.6 Uhr morgens nur durchgejault. Ich hatte mich ja schon darauf eingestellt, dass wir alle 2 Stunden aufstehen müssen, damit wir beginnen ihn stubenrein zu bekommen, aber darauf war ich nicht eingestellt.
Der gute Paul hat von 23 Uhr bis ca.6 Uhr morgens nur durchgejault. Ich hatte mich ja schon darauf eingestellt, dass wir alle 2 Stunden aufstehen müssen, damit wir beginnen ihn stubenrein zu bekommen, aber darauf war ich nicht eingestellt.
Also habe ich mich die Nacht um den jaulenden Hund gekümmert. So kam es auch, dass ich morgens um 4 Uhr, tot müde, mit ihm in der Küche saß und gespielt habe. Der einzige Satz der mir dabei nur die ganze Zeit durch den Kopf ging, war "Wer A sagt, muss auch B sagen! Wer A sagt, muss auch B sagen!"
Morgens, als es dann so langsam hell wurde, war es dann endlich vorbei und ich konnte schlafen.
Seitdem ersten Abend wird Paul immer munterer, neugieriger und frecher :) Es ist sooo wunderschön ihn dabei zu beobachten.
Er ist so klein, dass er noch garnicht richtig laufen kann und immer wieder über seine eignene Füße stolpert, oder einfach umfällt.
Das Essen verschlingt er immernoch gierig. Wir sind nun auf Kartoffeln mit Haferflocken und Nudeln umgestiegen.
Heute waren wir mit ihm unten auf der Wiese. Ach was hat er sich gefreut. Nur das Gefühl, ihn vor den Indern "schützen" zu müssen, bleibt.
Jetzt aktuell schläft er völlig erschöpft auf meinen Beinen.
Ich habe die Hoffnung, dass er von dem Tag so ausgepowert ist, dass ihm heute Nacht nichts anderes übrig bleibt als zu schlafen.
Die letzte Nacht war wie die Erste. Wir sind auch brav alle 2 Stunden mit ihm raus gegangen, ansonsten muss ich aber sagen, dass mir mein Schlaf heute Nacht wichtiger war.
Ob er nach seine Mutter ruft??
Morgen werden wir in mit nach Nagpur nehmen und zum Tierarzt bringen. Mal sehen was der Chef von unserer NGO so dazu sagen wird^^
Ich denke nicht, dass wir ihn behalten können. Dafür sind wir viel zu oft unterwegs. Ich hoffe so sehr, dass wir einen schönen Ort mit liebevollen Menschen für ihn finden werden!
Drückt uns mal die Daumen! Es wird mir eh schon schwer genug fallen, diesen süßen kleinen Paul wieder her zu geben!!
Drückt uns mal die Daumen! Es wird mir eh schon schwer genug fallen, diesen süßen kleinen Paul wieder her zu geben!!
So nun war es soweit. Sophie und ich haben uns eben auf den Weg gemacht um für Paul ein neues Zuhause zu finden.
Leider, leider war es nicht möglich ihn zu behalten. Dies hätte zudem in unserer WG einen großen Krach gegeben. Freddy, der Arme, wurde nämlich garnicht gefragt, ob wir den kleinen Racker bei uns aufnehmen oder nicht und trotzdem war es auch für ihn die dritte Nacht mit wenig schlaf. Also Entschädigung gab es dann heute eine Tafel Schokolade (Die ist hier eine wahre Besonderheit!)
Auch wenn ich sagen muss, dass diese Nacht um einiges besser war. Gestern der Tag war für den kleinen Paul doch echt anstrengend gewesen und somit müde genug um die Nacht nicht wieder zum Tag zu machen :)
Eigentlich wollten wir Paul zu einer indischen Tierorganisation bringen. Nachdem wir mit Hilfe eines Inders unserem Rikshafahrer erklärt hatten, zu welcher Adresse wir müssen, konnte es los gehen. Da aber weder wir noch der Rikshafahrer genau wussten, wo wir hin müssen, waren wir mal wieder, wie so oft, auf die Hilfe von hilfsbereiten Indern angewiesen. Diese findet man in diesem Land zum Glück doch ziemlich oft.
Wie sollte es auch anders kommen, sind wir nie an unserem eigentlichem Ziel angekommen.
Nachdem wir ein Mädchen nen Stück mitgenommen habe, damit sie auf dem Roller von ihrem Freund nicht nass wird (und sie natürlich unsere Handynummer haben wollte ;)), hat uns als Dank ihr Freund den Weg gezeigt. Er ist mit seinem Roller durch strömenden Regen vorne weg gefahren.
Auch er kannte unser Ziel nicht und hat uns deswegen zu einem Pedshop gebracht. Sophie und ich waren im ersten Moment ziemlich skeptisch.
Nachdem wir aber herausgefunden haben, dass die NGO schon zu hat und er die Tiere nicht verkauft, sondern eine Art "Tierheim" ist, haben wir dem Besitzer unseren heiß geliebten Paul anvertraut.
Wir hatten einfach nicht die Möglichkeit, ihn noch eine weitere Nacht, nun im Gästehaus in Nagpur, aufzunehmen. Es bliebt uns leider auch keine andere Wahl :(
Nachdem wir dann gesehen haben, wie liebevoll er mit ihm umgeht, war dann zum Glück auch das letzte Stück Skepsis weg. (Wahrscheinlich lachen mich eh alle Tierkenner aus, aber der Besitzer des Pedshop schätzt seinen neuen Schützling auf ca. 4 Wochen.)
Ja nun hoffen wir sehr, dass der Paul ein liebe Zuhause und liebe Ersatzeltern finden wird! Mir ist es nicht leicht gefallen ihn nun in die Obhut von Anderen zu geben. Das einzige was mir nun bleibt ist die Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass er ein angenehmeres Leben führen kann. Dass er Menschen begegnen wird, die ihm ein Verständis für sein Leben auf Erden aufbringen werden und ihn nicht Misshandeln!
oh so ein Baby :) Wenn ihr das nächste Mal einen kleinen Hund mitbringt, bringe ich dir Zahnalterbestimmung bei :) Das geht bei den Kleinen ganz gut. Liebste Grüße, Lena
AntwortenLöschenOhhh mein Gott ist der süß!!! Ich hoffe, dass es ihm gut geht! Bei Fragen @Sarah, wende dich an Lena oder mich :)!
AntwortenLöschenReaktionen auf ein wunderschönes Gedicht - 0
AntwortenLöschenFotos von Hundewelpen - 2
:-)))
Grüße FH
Wie jung das Tier noch ist... eigentlich müssen Welpen bis zu ihrem zweiten Monat bei ihrer Mutter bleiben... Ich hätte ihn, den Fotos nach zu urteilen, auch so auf ca. 6-8 Wochen geschätzt! Wer hatte ihn denn da in diesem Hofeingang angebunden, wenn er keinen Besitzer hat?? Schrecklich, wie die Leute in Indien mit den Tieren (und ihren Mitmenschen) umgehen... aber sie kennen es halt nicht anders! Hoffentlich wird sich dies auch irgendwann in den asiatischen Ländern ändern!
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